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Ende April gaben junge Unternehmer aus Afrika ihrer Generation auf dem G-20 Treffen der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Berlin eine Stimme. "Welt ohne Hunger" hat sechs von ihnen gefragt, wie mehr Jobs auf dem Land geschaffen werden können.
Lunah Njeri ist nationale Vertriebsleiterin von Bell Industries, einem Unternehmen für die Herstellung, den Import und den Vertrieb von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln auf dem kenianischen Markt. Seit 2014 ist sie für die Markteinführung von hermetischen PICS Beuteln verantwortlich, die Saatgut während der Lagerung vor Fäule und Schädlingen schützen. Lunahs Verantwortung liegt im Training der Kleinbauern im Umgang mit den Beuteln und dem Aufbau eines landesweiten Netzwerkes zum Vertrieb der Ware. Sie ist fest entschlossen, die kenianische Gesellschaft von reinen Konsumenten zu technologieaffinen Produzenten zu machen, die ihr Kapital vor Ort investieren und so die lokale Wirtschaft stärken. Lunah ist selbst Landwirtin und betreibt Dudu Farm, wo Würmer als Futter für Geflügel gezüchtet werden. Früher belieferte sie damit lokale Geflügelfarmen. Heute wird Dudu Farm nicht länger kommerziell, sondern für den Privatgebrauch betrieben.
Für die nahe Zukunft wünscht sich Nana Adjoa Sifa Amponsah eine Gesellschaft, in der vor allem junge Landwirtinnen stolz auf ihren Beruf sind. Sie ist überzeugt, dass die Landwirtschaft der einzige Wirtschaftssektor ist, durch den die weltweit dringendsten Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelunsicherheit, Armut, Hunger und Mangelernährung, bekämpft werden können. Um diesen Traum Realität werden zu lassen, initiierte die junge Ghanaerin „Guzakuza“, ein regionales, soziales Unternehmen mit dem Ziel ein stärkeres Bewusstsein für nachhaltiges Landwirtschaften zu schaffen. Nana will damit besonders afrikanische Frauen ansprechen, um die Wirtschaft vor Ort zu stärken und langfristig für eine gesunde Ernährung und eine ertragreiche Land- wirtschaft zu sorgen. Durch „Guzakuza“, ein suahelisches Wort das so viel bedeutet wie „grow to touch lives“, werden Kompetenztrainings, Praktika, Coachings, Mentoring, Beratungen und Kooperationen durchgeführt. Aktuell arbeitet Nana als Teamleiterin und hat vier Vollzeitangestellte, zwei Teilzeitangestellte und zehn freiwillige Mitarbeiter. Sie ist darüber hinaus als Präsidentin der „Direct Impact Foundation“ aktiv. Die Stiftung hat zum Ziel, die Lücke zwischen der ländlichen und städtischen Bildung in Ghana zu schließen. In der Vergangenheit hat die 28-jährige Ghanaerin außerdem in mehreren internationalen Organisationen und Unter- nehmen berufspraktische Erfahrungen gesammelt. Sie ist unter anderem Mitglied in der „Association for Women’s Rights in Development“, auf der Plattform „World Pulse“ aktiv und in der „Alliance of Young Entrepreneurs“ tätig. Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem mehr Initiativen für Frauen und Jugendliche in den ländlichen Räumen Ghanas.
Paul Zaake ist Mitbegründer und Geschäftsführer von RECO, einer gemeinnützigen Organisation zur Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und Klima- und Umweltschutz. RECO finanziert sich durch Spenden, Fortbildungen, Verkäufe, Beiträge aus der Privatwirtschaft und anderen Quellen finanzieller Unterstützung, und konzentriert sich auf soziales Unternehmertum. Als Teil des Programms hat Paul eine Saftverarbeitungsfabrik mit fünf Festan- gestellten und vier4 Teilzeitkräften gegründet. In diesem Jahr startete er als Teil dieses Unternehmens eine Initiative zur Herstellung von Trockenfrüchten durch Solarenergie für den lokalen Markt und den Export. Mit seiner Arbeit setzt Paul verborgenes Potential seiner Gemeinde frei und befähigt seine Mitmenschen durch Aus- und Fortbildungen dazu, ihr Land nachhaltiger zu bestellen. Bereits mehr als 75 junge Erwachsene erhielten ein spezielles Training zur Wertsteigerung durch die Verwendung lokal erhältlicher Materialien. Paul Zaake ist im ländlichen Rakai aufgewachsen und hat einen Bachelorabschluss in Agrarwirtschaft. Zurzeit studiert er Climate Change and Adaption an der University of Nairobi in Kenia. Paul besucht regelmäßig seine Heimat und ist entschlossen seine Projekte dort weiterhin zu verbessern.
Halatou Dem ist Geschäftsführerin von Danaya Céréales, einem 25-köpfigen Familienunternehmen zur Getreideverarbeitung, das sich auf das malische Getreide Fonio spezialisiert hat. Fonio ist eine Hirseart die sehr genügsam ist, sodass sie auch auf kargen Böden schnell reifen kann. Nachdem Halatou 2009 in das Unternehmen ihrer Mutter einstieg, übernahm sie 2011 die Leitung der Geschäfte. Die ursprüngliche Idee vor allem Frauen, denen die Getreideverarbeitung zu Hause meistens obliegt, zu helfen und damit Geld zu verdienen, ist bis heute präsent. Vorgekochtes Fonio ist bis heute das Hauptpro- dukt von Danaya Céréales und wird mit bis zu 1000 Tonnen jährlich für den nationalen, aber auch immer stärker für den internationalen Markt verarbeitet. Die internationale Nachfrage steigt durch Malier, die im Ausland leben und nicht auf Produkte aus ihrer Heimat verzichten wollen. Halatou stellt bevorzugt Frauen ein und setzt sich mit ihrer Unternehmenspolitik für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Zielgruppe ein.
Luwayo Biswick bezeichnet sich selbst als Landwirt aus Leidenschaft. Er besitzt ein eigenes Stück Land in der Nähe von Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, im Zentrum des südostafrikanischen Staates. Dort baut er verschiedenes Saatgut an, ohne Chemikalien oder Düngemitteln zu benutzen. Schon seine Eltern waren als Landwirte tätig und arbeiteten auf einer Tabakfarm. Aus sehr armen Verhältnissen stammend, musste Luwayo während seiner Kindheit oft an Hunger leiden. Bis er 17 war, lebte Luwayo bei seinen Eltern. Dann entschied er sich bewusst dazu, etwas gegen die ländliche Armut und die Hungersnot in seinem Land zu unternehmen. Den Anstoß gab ihm ein Freund, der ihm mehr über „Permakulturen“ beibrachten. Neben seiner Arbeit als Landwirt ist Luwayo bei dem „Kusmala-Institute of Agriculture & Ecology“ angestellt. Dort arbeitet er als „Permaculture Traininer“. Permakultur ist ein Konzept, das auf nachhaltige, dauerhaft funktionierende, naturnahe Kreisläufe abzielt. Über die Bewirtschaftung von Selbstversorgungsgärten können Lebensmittel so besonders nachhaltig produziert werden. In seiner näheren Umgebung wird Luwayo als wichtige Leitfigur wahrgenommen, da es ihm gelungen ist durch die Landwirtschaft einen Ausweg aus seiner schwierigen Kindheit zu finden und neuen Mut zu fassen. Der 30-jährige Farmer ist hoch motiviert sein Wissen auszubauen, um jungen Landwirten in Malawi neue Perspektiven aufzuzeigen. Besonders die Tatenlosigkeit vieler Menschen in seinem Land macht ihn wütend. Luwayo sucht daher nach Lösungswegen, um junge Menschen in seiner Umgebung zu aktivieren.
Samadi Ruterford betreibt eine kleine agropastorale Farm, die sich über fünf Hektar im Norden des Benin erstreckt. Agropastoralismus bezeichnet eine traditionelle Wirtschaftsform bei denen Pastoralismus (Viehhaltung auf Naturweiden) und Feldbau miteinander kombiniert werden. Als Gründer des Unternehmens „AgriSam“ hat sich Samadi auf die lokale Herstellung und den Verkauf von Futter- mitteln für Gefl ügel, Fisch und kleine Wiederkäuer spezialisiert. Zudem ist er selbst im Besitz von Schweinen, Fischen, Geflügel, Kühen, Kaninchen und Gänsen. Samadi produziert vor allem Reis, Soja und Mais. Darüber hinaus ist AgriSam ein Gründerzentrum für junge Agrarwirte in der Region. AgriSam ist besonders auf die Begleitung und Schulung von Jungbauern spezialisiert. Er gehört zu den wenigen Landwirten im nördlichen Benin, die sich ohne staatliche Unterstützung finanzieren können. Neben der Landwirtschaft betreibt er ein Gründerzentrum für junge landwirtschaftliche Unternehmer. Reflektiert, zielstrebig und mit hohem unternehmerischem Potential hat er sich mit „AgriSam“ zum Ziel gesetzt, die ländliche Armut im Benin zu überwinden, indem er neue Arbeitsplätze schafft und Jungunternehmer im ländlichen Teil des Benin fördert.
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