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Afrika steht am Scheideweg. Ob es weiter aufsteigen wird oder wieder zurückfällt, das hängt vor allem davon ab, ob der Kontinent die Bedingungen schafft, in denen sein größtes Potenzial sich entfalten kann – die jugendliche Bevölkerung.
Sechs von zehn Afrikanern sind heute unter 25 Jahre alt. Zwischen 2015 und 2050 wird sich dieser Bevölkerungsteil beinahe verdoppeln: von 230 Millionen auf 452 Millionen.
Doch das Potenzial der Jugend, Afrikas Entwicklung voranzutreiben, geht über diese Zahlen hinaus. Als Gruppe sind sie abenteuerlustiger, unternehmerischer und gehen länger zur Schule als ihre Vorgängergenerationen. Außerdem setzen sie sich ambitioniertere Ziele, wollen es Jugendlichen auf anderen Kontinenten gleichtun, statt die Vorstellungen ihrer Eltern zu erfüllen.
Doch diese demographische Dividende droht zu versauern. Nichts stellt dieses Problem besser dar, als die Tatsache, dass mit den Schuljahren, die ein junger Mensch in Afrika absolviert, seine Chance arbeitslos zu werden steigt. Dieser Missstand zeigt, dass die gestiegenen globalen Rohstoffpreise zwar das Wirtschaftswachstum vieler afrikanischer Staaten in die Höhe trieben, jedoch kaum Arbeitsplätze schafften und die soziale Ungleichheit so vergrößerten. Die Tatsache beleuchtet darüber hinaus auch die Schere zwischen den Fähigkeiten, die junge Menschen gelehrt bekommen und den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Ein Rezept für Frustration und Wut.
Das gleiche gilt für die alarmierende Kluft zwischen demokratischer Politik und den jungen Menschen in Afrika. Zwar hat es auch hier beachtenswerten Fortschritt gegeben: 109 Wahlen im Jahrzehnt seit 2006, die zu 44 Machtwechseln geführt haben. Doch dies übersetzt sich nicht in einem gefestigteren Glauben an die Demokratie. Stattdessen wächst die Skepsis gegenüber gewählten Abgeordneten. Afrikanische Bürger vertrauen zuerst ihren religiösen Führern, dann dem Militär und den traditionellen Anführern. Präsidenten finden sich abgeschlagen auf dem vierten Platz wieder.
Am weitesten verbreitet ist diese Demokratiemüdigkeit unter jungen Menschen. Ihre Wahlbeteiligung sinkt. Ein durchschnittlicher Altersunterschied von 44 Jahren zwischen der Bevölkerung und ihren Führern erzeugt das Gefühl, dass die Mächtigen sich nicht um das Schicksal der Jungen kümmern.
Diese Kombination aus fehlenden wirtschaftlichen Chancen und politischer Apathie könnte eine gefährliche Mischung bedeuten. Ohne ökonomische Perspektiven und demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten, fühlen sich junge Menschen zunehmend von anderen Alternativen angezogen. Der Anstieg terroristischer Angriffe in Afrika im vergangenen Jahrzehnt, sowie die steigende Zahl jener, die die gefährliche Reise über das Mittelmeer antreten, zeigen, wohin Frust, Wut und Verzweiflung führen können.
Terrorismus führt dabei nicht nur zu Instabilität und Konflikt, sondern stellt auch den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweig Afrikas dar, mit zunehmender Beteiligung am Drogenschmuggel, Menschenhandel und dem Schwarzmarkt. Das Einkommen und der Status, die der Terrorismus bietet, sind dabei mindestens so anziehend, wie die extremistische Ideologie.
Diese Herausforderungen unterstreichen die Wichtigkeit weiser Führung und guter Regierungsführung für Afrikas Zukunft. Ohne sie können die großen Hoffnungen zu tiefer Frustration führen. Falls die Energie und die Ambitionen der afrikanischen Jugend verschwendet werden, könnte sie zu einer ernsthaft destabilisierenden Macht werden.
Deshalb braucht Afrika eine Führung, die die Energie der jungen Menschen nutzbar macht und die Bedingungen schafft, in denen ihre Erwartungen erfüllt werden. Als wichtigen Anfang müssen Regierungen gemeinsam mit Unternehmen dafür sorgen, dass Schulen und Universitäten die jungen Menschen mit den Fähigkeiten ausstatten, die sie brauchen, um sich ihre Zukunft zu erobern.
Überall in Afrika muss eine Politik umgesetzt werden, die es jungen Menschen ermöglicht über sich hinaus zu wachsen. Wie der frühere deutsche Bundespräsident Horst Köhler auf unserem Governance Weekend in Marrakesch kürzlich sagte: „Eine Führung verwaltet nicht nur die Gegenwart, sondern gestaltet die Zukunft.“
Dieser Artikel erschien ursprünglich unter dem Titel "Africa’s youth, frustrated, jobless and angry, demand attention" in der Financial Times.