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Die Elfenbeinküste hat den Bürgerkrieg und die Spaltung des Landes überstanden. Der Großmarkt in der ehemaligen Rebellenhauptstadt Bouaké erholt sich dennoch nur langsam.
Es ist zehn Uhr und die Sonne brennt über Bouaké, der ehemaligen Rebellenhauptstadt und heute der zweitgrößten Stadt der Elfenbeinküste. Motorrad-Taxis und Autos hupen ohrenbetäubend in den Straßen. Doch im Viertel Dougouba dimmt der Lärm herunter, sobald man in die Alleen des Großmarkts fährt, wo Schweiß überströmte Männer schweigend und schnaufend Säcke voller Manioc- und Ignam-Knollen oder Bananen-Stauden von Lastern abladen.
Der Großmarkt von Bouaké ist für die Elfenbeinküste, was der Großmarkt Les Halles in Paris für Frankreich ist. Von hier aus soll das Land mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Der Markt in Bouaké erstreckt sich über 28 Hektar und zählt 370 Lagerräume, die zum größten Teil Kooperativen gehören: Der Kooperative für Landwirtschaftsgüter und der Kooperative der Einkäufer landwirtschaftlicher Produkte. Händler kommen sogar aus dem benachbarten Liberia und kaufen Pfeffer, aus Guinea werden Erdnüsse gehandelt. Aus Burkina Faso und dem Niger reisen Zwiebelverkäufer an. Doch nicht in dem Umfang, in dem es sich die Menschen erhoffen und von Stadt und Landesregierung gedacht war.
Der Markt wurde 1998 gegründet, mit Optimismus blickte man noch auf die zukünftige Entwicklung der Elfenbeinküste - doch vier Jahre später brach der Bürgerkrieg aus und teilte das Land für zehn Jahre in zwei Teile. In Bouaké herrschten nun die Rebellen aus dem Norden. Die Umsätze des Großmarktes brachen ein, Händler aus dem Süden des Landes, der weiter von der Regierung kontrolliert wurde, blieben aus. Über die Jahre etablierten sich neue Vertriebsstrukturen und Absatzmärkte.
Im Jahr 2013, nach einem erfolgreichen demokratischen Wandel und der Befriedung des Landes, wurde der Markt wieder eröffnet und sollte zu alter Größe zurück finden.
Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. "Die Zwiebellieferanten aus dem Niger und Burkina Faso haben gelernt, ihre Ware direkt in ivorischen Städten abzusetzen und gehen nicht mehr durch den Großmarkt - weil der ja lange geschlossen war", klagt Coulibaly Mamadou, Präsident der Zwiebelabteilung des Marktes.
Die Regierung stellte einen Plan zur Renovierung der Lagerräume und Wasserleitungen vor, eine Kühlhalle und eine Waschstraße für die Laster sollten gebaut werden - doch die Händler und Lieferanten warten auf die Umsetzung dieses Plans bis heute.
Klagen kommen auch von den Händlern der Cola-Nüsse, dieses bitter schmeckenden, koffeinhaltigen Samens, der in Westafrika als Genussmittel gekaut wird: Wurden vor dem Bürgerkrieg 45.000 Körbe mit Cola-Nüssen verkauft und nach Mali, Burkina Faso, Senegal und Mauretanien exportiert, liegt der Umsatz heute nur bei 5000 Körben.
Das Nachbarland Guinea hat von der kriegsbedingten Blockade des Großmarkts in Bouaké profitiert und die Politik wusste die Situation zu nutzen: die Händler dort verkaufen seither mehr Cola-Nüsse, auch dank erleichterter Ausfuhrbestimmungen des dortigen Zolls. Und immer noch ist der Bereich des Marktes in Bouaké für Kochbananen, frischen Maniok und Attiéké (eine Art Couscous aus Maniok) geschlossen. Auch die Gemüse- und die Getreide-Abteilung haben nur noch ein paar der ursprünglich vierzig Lagerräume in Betrieb.
Was sollen wir verkaufen, wenn niemand liefert?
"Die Steuern hier sind auch viel zu hoch", beklagt sich Ouattara Soumaila, Präsident der Händlervereinigung des Großmarktes. "Die Lieferanten bleiben aus - aber was sollen wir verkaufen, wenn niemand liefert?". Viele unter seinen Kollegen haben schon seit Jahren zu wenig Arbeit und vermissen die unbeschwerte Zeit des Großmarktes vor dem Bürgerkrieg.
Genaue Statistiken sind schwer zu erhalten: Während des Bürgerkriegs sind die Archive verbrannt. Doch Amara Dao, Geschäftsführer des Marktes, schätzt, dass der gesamte Warenumschlag heute wieder etwas höher liegt als vor dem Bürgerkrieg, bei knapp über 150.000 Tonnen. Die Erwartungen an die Entwicklung des Großmarktes sind hoch, doch seine zentrale Rolle für die Versorgung in Westafrika hat er bis heute nicht wieder erlangt.